Band 3

Band 3 – Vom Ackerbaudorf zum Industrievorort

1869 siedelte sich eine Dachpappefabrik an der Grenzstraße als erstes Industrieunternehmen auf Büschdorfer Flur an. Ab 1888 folgten innerhalb weniger Jahre 21 weitere Unternehmen, darunter  eine Metallhandel-Firma, zwei Kesselschmieden, Maschinenfabriken, vier Eisengießereien, ein Uhrenfabrik, eine Brückenbaufirma, eine Bildrahmenfabrik und zwei Schokoladenfabriken. Die sozialdemokratische Tageszeitung „Volksblatt“ berichtete ab 1890 und die kommunistische Zeitung  „Klassenkampf“ ab 1921 bis zu ihrem Verbot 1933 durch die Nazis in kämpferischer Weise über die Entwicklung dieser Unternehmen. Da wurde aggressiv gegen die Kapitalisten und Fabrikbesitzer, sowie ihre Handlanger, den Meistern, Front gemacht. Lange Arbeitszeiten, geringe Löhne und schwere Arbeitsunfälle in den Fokus der täglichen Berichterstattung gestellt. Die Redakteure prangern die Aussperrungen von streikenden Arbeitern bei der Forderung um Lohnerhöhungen, Senkung von Arbeitszeiten und den Einsatz von Streikbrechern und der Polizei im Arbeitskampf auf der Delitzscher Straße an. Brände, Firmenkonkurse und Betriebserweiterungen sind auf den Tag genau erfasst.

Auf einem Feld neben dem Hochweg in Büschdorf, in Richtung Hufeisensee, 350 Meter  hinter der Delitzscher Straße, sind beim Pflügen des Ackers Leichenteile gefunden worden. Dabei handelte es sich um einen menschlichen Arm und mehrere Fleischteile. Die Fundstücke auf dem Kleefelde haben obenauf frei gelegen, sind augenscheinlich aber  2 Meter rechts neben dem Weg im Spargelacker flach verscharrt gewesen. Daneben ein brauner Krimmerhandschuh und drei Stückchen Einwickelpapier. Die Fundstücke gehörten zur vermissten Prostituierten Anna Bennewitz. Sie stammte aber nicht aus dem naheliegenden Eros-Center. Die Feldarbeiten erfolgten im Frühjahr 1915.

Der Lustmord an der halleschen Lohndirne, die in der Thomasiusstraße wohnte, fand am 17. November 1914 statt. Bei einer militärischen Übung, an der verlängerten Fuchsbergstraße in Kröllwitz, hatten Soldaten die Unterschenkel mit Füßen, die Oberschenkel, von denen die Fleischteile abgetrennt waren, der rechte Arm mit der Hand und verschiedene Fleischteile, darunter eine Brust und das Herz gefunden. Der Kopf ist wohl nur zur Irreführung nach Strömthal bei Leipzig verschleppt worden. Schon fünf Tage nach der Tat veröffentlichte die Kriminalpolizei von Halle Einzelheiten. Die Schneiderin war 38 Jahre alt, sah aber jünger aus, etwa 1,58 Meter groß, von kräftigem, üppigem Wuchs. Sie hatte früher unter Sittenpolizeiaufsicht gestanden und scheint das unlautere Gewerbe heimlich fortgesetzt zu haben, bis sie ihm zum Opfer gefallen war. Da in ihrer Wohnung Spuren des Mordes nicht vorhanden waren, mußte angenommen werden, daß ein alleinstehender Mann sie in seine Wohnung, vielleicht auch Werkstatt oder Laden, mitgenommen hatte und daß dort die Tat verübt worden ist. Der Regierungspräsident setzte damals 500 Mark Belohnung für die Ergreifung des Täters aus.

Das Volksblatt berichtete am 28. Dezember 1922 vom Fortschritt der Ermittlungen. Unter den des Mordes verdächtigen war auch der am 27. Juni 1884 in Halle geborene Sohn des Besitzer der früheren Knochenmühle, Johannes Kühling, verhaftet, aber wieder entlassen worden, K. zog bald darauf als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Jetzt hatte die Polizei, die die Mordsache in der Stille weiter verfolgte, Kühling abermals verhaftet.

Dann verliert sich die Spur für den Hobbyhistoriker in der weiteren Recherche. Er ist sich aber sicher, über diesen Fall haben die halleschen Tageszeitungen noch weiter berichtet.

Ca. 600 s/w-Abbildungen, 40 in Farbe, 20 x 21 cm, ca. 325 Seiten, Broschur. Halle 2013. Das Buch ist nicht im Buchhandel erhältlich. Restexemplare können nur beim Verfasser unter 0345 56 056 49 oder norbert.richter52@gmx.de bestellt werden.