Band 4

Band 4 – Fr. David Söhne und die Mignon-Schokolade

Die Schokoladenfabrik hatte 1929 in den halleschen Tageszeitungen in einem längeren Aufsatz (angeblich 125jähriger Unternehmensbestand) veröffentlichen lassen. Die Handelskammer Halle, welche sich zu einem Grußwort damals verpflichtet fühlte, hegte über die angegebenen 125 Jahre ihre Zweifel. Deshalb beauftragte die Kammer den damaligen Stadtarchivar von Halle mit einer eigenen Recherche zur Unternehmensgründung. Die Ermittlungen ergaben, daß „Die jetzige Firma David Söhne, Schokoladen- und Honigkuchenfabrik […] auf die alte Pfefferkuchenbäckerei von Theodor Saalwächter zurück [geht], der sie in dem Hause Ecke alte Promenade und Geiststraße (früher Ochsenkopf 1126 und Geiststraße 1127-28) betrieb. Saalwächter erwarb das Bürgerrecht am 27. April 1832. Er war damals 24 ½ Jahre alt und Konditor aus Gommern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Saalwächter die Pfefferküchlerei schon vorher in gemieteten Räumen betrieben hat, doch lassen sich darüber keine näheren Nachrichten finden, sodass hier der 27.4.1832 als der früheste Termin gelten muss. Ich vermute dass irgendwelche Überlieferungen die Firma David veranlassen, in diesem Jahr ihr Jubiläum zu feiern…

gez. Dr. Neuss

Auf Grund dieser massiven Zweifel hatte ich viele Monate zur Entwicklungsgeschichte der Schokoladenfabrik in öffentlichen Archiven und Bibliotheken geforscht. Das Ergebnis sah 2014 folgendermaßen aus:

Eine ausführliche Unternehmensdarstellung über die älteste produzierende Schokoladenfabrik Deutschlands. Auf der Spurensuche nach dem Gründer der Backtradition des Hauses „Halloren“ (1740-1855). Der Pfefferküchler Friedrich August Miethe übernimmt (1784-1832) eine alte bestehende Backstube in Neumarkt bei Halle. Theodor Saalwächter wird dritter Eigentümer (1832-1851). Die Herkunft des Pfefferküchlers Friedrich David, seine Familie und die Übernahme der Konditorei und Honigkuchenfabrik (1851). Die Aufnahme der Schokoladenproduktion durch Friedrich David (1877). Die Übergabe des Unternehmens durch den Vater an seine Söhne (1879). Auf der Suche nach der heute noch bekannten Marke Mignon und deren Ursprung (1890-1898). Dabei erleben wir einen wirtschaftlichen „Kakaokrieg“ zwischen Händlern und Anbietern in Halle (1890-1899). Das Imperium des Gründungsvaters wurde geteilt in E. David´s Honigkuchenfabrik, dem Kaffee David, und F. E. David Konfitürenhandlung. Die Wahrnehmung der Familie David im öffentlichen Leben wurde in den Jahren (1891-1906) betrachtet. Die Entstehung der Schokoladenfabrik in Büschdorf (1893-1906). Aus dem Unternehmen David Söhne wird 1905 eine Aktiengesellschaft gebildet. Unterlagen geben Auskunft über eine Sitzung der Aktionäre zur Hauptversammlung im Jahre 1909. Akten des Amtsgerichts Halle widerspiegeln das Wirken des Unternehmens im Ersten Weltkrieg (1914-1918). Die Goldenen Zwanziger Jahre für die David Söhne AG (1920-1929). Direktor Otto Schröder führt die Geschäfte der Fabrik (1929-1941). Die Umbenennung des Unternehmens (1933) während der antijüdischen Boykotte in Mignon Schokoladenwerke Aktiengesellschaft. Archivierte Akten hallescher Banken geben Geheimnisse der Wirtschaftsführung des Unternehmens (1934-1945) und die Verstrickung mit dem Nationalsozialismus preis. Der versuchte Griff nach fremden jüdischem Eigentum (1936-1938). Die deutsche Aufrüstung bringt eine Rohstoffknappheit (1938-1943) mit sich, deshalb Kriegswirtschaft mit Schokolade (1939-1943) und Rüstungsbetrieb statt Süßwaren (1944-1945). Festgestellte Kriegsschäden an der Schokoladenfabrik (1945). Die Nachkriegswicklung des Unternehmens – von der Aktiengesellschaft Enteignung zum Volkseigenen Betrieb (1945-1951). Der sofortige Neustart nach dem Ende der Kampfhandlungen in Halle.

Ca. 300 s/w-Abbildungen, 20 x 21 cm, ca. 224 Seiten, Broschur, Halle 2014