Band 6

Band 6 – vom Küchendorf zum Wohngebiet Halle-Büschdorf

Das Buch beschäftigt sich mit Vorgängen nur aus dem Wohngebiet Halle-Büschdorf. In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg starben durch Unterernährung und Krankheiten auch Schüler, für die manchmal sogar das Holz für die Särge fehlte, berichtete der Lehrer. Die Schule war mit drei zur Verfügung stehenden Klassenräumen überbelegt. Der ehemalige Direktor setzte sich in den Westen ab, wie es damals hieß, nachdem ihm Unterschlagung von Büchergeld nachgewiesen wurde. Die Kinder wurden in zwei alten Schulgebäuden am Vormittag und Nachmittag unterrichtet. Weil der Platz nicht ausreichte, nutzte man zusätzlich freie Räume in einer Gaststätte und einem Industriebetrieb. 1950 konnte die dringend benötigte neue Schule an der Käthe-Kollwitz-Straße bezogen werden. Es wird über die Arbeit der Pädagogen mit den Kindern in dieser Grundschule, aber auch über die Freizeitgestaltung und Pionierarbeit berichtet. Die Kinder sammelten Flaschen, Gläser, Altpapier, halfen älteren Menschen in der Timur-Hilfe. Schrott wurde für die neuen Siemens-Martin-Öfen benötigt. FDJ-ler sammelten. Lehrer mit ihren neuen Unterrichtsmethoden wurden geehrt. Die Schule war Vorbild für andere Bildungseinrichtungen, als in den 60er Jahren die 10klassige Oberschule eingeführt wurde. Auch gab es Berichte über die Arbeit von Schülern in der sozialistischen Produktion (UTP). Mit Unterstützung der Elternschaft konnte ein Schulsportplatz, der Bau einer modernen Turnhalle, Bau einer Hausmeisterwohnung, Schaffung zusätzlicher Räume für den touristischen Mehrkampf, Teil der vormilitärischen Ausbildung, realisiert werden. Das Gelände der Schule war über mehrere Jahre Ort von großen Wohngebietsfesten.

Es gibt im Buch einen Bericht über den Zustand der damaligen evangelischen Kirchgemeinde von 1950. Aus diesen Jahren liegt auch eine Lebenserinnerung einer ehemaligen Einwohnerin vor.

Das Titelbild zeigt Landarbeiterinnen vom Volksgut Halle, Abteilung Büschdorf. Viele Berichte befassen sich mit der Arbeit vom Anbau und der Ernte auf den Feldern, der Gärtnerei und dem Einsatz von Landtechnik.

Spannend dabei sind die ersten Jahre nach dem Krieg. So zum Beispiel, wie die Gemeinde das Problem von Plünderungen, der Rückführung und die Unterbringung der vielen Flüchtlinge bewältigte, wie das öffentliche Leben langsam wieder in Gang kam und die Entnazifizierung von Mitbürgern durchgeführt wurde. Es können auch an Beispielen von Protokollen die letzten Jahre der Selbständigkeit der Gemeinde Büschdorf bis zur Eingemeindung 1950 nach Halle verfolgt werden. Hunderte von Zeitungsartikeln berichten vom schweren wirtschaftlichen Neubeginn in der Landwirtschaft und der schrittweisen Verstaatlichung fast aller Betriebe. Freud und Leid liegen bei einigen persönlichen Einzelschicksalen nah beieinander.

Die staatlich gelenkte Aktivistenbewegung und freiwilligen Aufbaustunden im Nationalen Aufbauwerk (NAW), das damalige Engagement der Mitbürger im Wohngebiet im Rahmen der Nationalen Front ist nachzulesen. Die Zeitungen dokumentieren das spürbare Erstarken der damaligen DDR nach dem Mauerbau 1961, gefolgt von vielen Jahren der Mangelwirtschaft.

Schon zeitig wurde der sozialistische Wettbewerb nach sowjetischen Methoden zur Steigerung der Arbeitsproduktivität ins Leben gerufen. Damals bekannte Namen waren Adolf Hennecke (1948), die Shandarowa-Sledkowa- (1953), Schnellreparatur-Methode nach Seifert (1960), Mitrofanow- (1961) und Bassow-Methode (1960).

Hohe Leistungen erbrachte man zu Ehren der jeweiligen politischen Höhepunkte: Aller 10 Jahre zur Erinnerung an die Gründung der DDR, dem jeweiligen Thälmannjahr, dem Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, Tag der Befreiung vom Faschismus, Lenins Todestag. Besondere Anstrengungen gab es vor und nach Parteitagen der SED, man zeigte sich solidarisch mit dem sozialistischen Kuba, der Republik Vietnam, dem eingesperrten Gladis Marin, Mikis Theodorakis und Angela Davis, bekundete Abscheu nach der Ermordung von Patrice Lumumba und Salvador Allende (um hier einige zu nennen).

Büschdorfer waren besonders stolz auf den Flug des ersten Sputnik und alle weiteren Fortschritte in der sowjetischen Raumfahrt bis zum 1. DDR Kosmonauten.

Das Buch berichtet über die Entstehung der Bezirksdruckerei der Freiheit an der Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Damals modernste Druckerei im Bezirk Halle. Für die Fertigstellung halfen in der Freizeit – im  NAW – auch Volkskorrespondenten, Soldaten der NVA und sogar Militärtechnik der Sowjetarmee. Sonst hätte Horst Sindermann, Chef der Bezirks-SED, das Objekt nicht zum geplanten Zeitpunkt einweihen können.

Der schlechte Zustand der Delitzscher Straße war über viele Jahre lang ständiger Kritik der Nutzer ausgesetzt.  Bis zur Wende waren in Büschdorf drei Eisengießereien in betrieb. Hier konnte die Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung in der Presse richtig herausgestellt werden. In den VEB VAKA-Werken Halle wurden Zapfsäulen hergestellt. Es gibt Berichte von Erfolgen in der Produktion und dem sichtbarem Nachteil gegenüber westlichen Erzeugnissen. Alle damaligen Betriebe beteiligten sich publizistisch an der aufkommenden Rationalisierung. Bei Drescher, dem späteren VEB Silobau, stellte man Kipptrommelmischer und Zementsilos her. In Büschdorf wurde aus mehreren Metallbetrieben das Metallleichtbaukombinat gegründet. Über Verfehlungen gegen das sozialistische Recht, die vielen Verkehrsunfälle – auch mit großen Personeneschaden – und die Schaffung eines Jugendklub im Wohngebiet, wurde berichtet.

Eine Handwerkerbrigade aus Einwohnern hatte über anderthalb Jahre die über Jahrzehnte zweckentfremdete Gaststätte Modler in tausenden von Stunden wieder hergerichtet. Genau in den geschichtsträchtigen Oktobertagen der Wendemonate des Jahres 1989 wurde das Gasthaus seiner Bestimmung übergeben.

Auf 409 Seiten, 40 Farb- und 580 s/w-Abbildungen, Broschur, 20×21 cm, wird dieser betrachtete lokale Zeitraum ausführlich dargestellt. Verwendet wurden über 1000 Zeitungsartikel und Anzeigen aus halleschen Tageszeitungen, sowie Akten der ehemaligen Gemeindeverwaltung Büschdorf.

Das Buch ist nicht im Handel erhältlich. Restexemplare können nur beim Verfasser unter norbert.richter52@gmx.de oder Tel. 0345 5605649 bestellt werden.