Band 7

Band 7 – Halloren Schokoladenfabrik

Die Geschichte der „Halloren“ Schokoladenfabrik

Eigentlich beginnt die Geschichte dieses enteigneten Betriebes, der Mignon Schokoladenwerke GmbH, mit einer krassen Rechtsbeugung. Die sozialistische Betriebsführung entschied sich nach einer internen Ausschreibung von 1950, für den nur in Halle verwendeten Namen Halloren. Für die Benutzung dieses Namens war der Betrieb eigentlich nicht berechtigt gewesen, denn den Namen Halloren trugen damals seit 461 Jahren die Salzarbeiter und Mitglieder der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle.

Die nachträgliche Erlaubnis, dass der VEB Halloren Süßwarenfabriken Halle (Saale) diesen Namen weiterhin tragen durfte, holten sich die Genossen des Betriebes Monate später, vermutlich sogar mit Hilfe politischen Drucks der Brüderschaft gegenüber. Der dazugehörige Vertrag wurde sogar erst fünf Jahre danach zu Papier gebracht.

Das „Halloren“-Männchen, ein stilisierter Hallore, genutzt als Markenzeichen, verwendete der Betrieb im Zusammenhang mit seinen geschalteten Anzeigen in den Tageszeitungen schon im Dezember 1953. Auch hier lag das Einverständnis der Bruderschaft nicht vor. Dieser Umstand wurde auch durch die Genossen in der Stadtverwaltung Halle erkannt und war sogar Tagesordnungspunkt einer Ratssitzung.

Ein weiteres großes Geheimnis wird wohl nie gelüftete werden können. Warum wurden in den 40 Jahren DDR-Geschichte so viele unterschiedliche Schreibweisen des Betriebsnamens verwendet? Wußte die Personalabteilung des Betriebes nicht, wie die amtliche Namensnennung richtig geschrieben wurde? Gab es vom Betriebsdirektor ständig neue Vorgaben der Schreibweise? Handelten die Mitarbeiter*in der Personalabteilung selbständig bei der Aufgabe von Stellenanzeigen in den Geschäftsräumen der Tageszeitung „Freiheit“, was kaum anzunehmen ist, oder veränderte die Anzeigenannahme die Bezeichnung nachträglich?

Auch der Erfinder der Mischung zur Halloren-Kugel, Entwicklungsingenieur Georg Knau, der vermutliche Augenzeuge, Horst Hügel und der spätere Berichterstatter, Produktionsleiter Karl Mödig, hüllten sich über die damaligen politischen Umstände bei der Herstellung der berühmten Halloren-Kugel in Schweigen und nahmen ihr Geheimnis mit ins Grab. Die noch heute hergestellte Kugel ist nach meinen Erkenntnissen, ein Kind von Ulbrichts Gnaden. Erst im März 1954 taucht dieses Konfekt mit Namensnennung „Halloren-Kugel“ erstmalig in der Presse auf. Genau zu dem Zeitpunkt, wo die staatlich festgelegten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 greifen.

Bei der Durchsicht der halleschen Tageszeitungen kommt das leichte Gefühl auf, dass der VEB „Halloren“ Schokoladenfabrik mit seinen bloß 500-700 Beschäftigten, nicht die erste Wahl in der Menge der Berichterstattung zu DDR-Zeiten war. Vielleicht hatte die Bezirksredaktion der Freiheit diesen Betrieb für sich und nicht für die Lokalredaktion Halle reklamiert, denn die meisten Erwähnungen in der Freiheit erfolgten auf der Wirtschafts- oder Regionalseite. Fast überhaupt nicht erfolgten Text- und Bildberichte auf dem Titelblatt. Erst in den 1980er Jahren ist der Betrieb auf der Lokalseite zu finden, obwohl die Genossen aus ihren Redaktionsräumen nur einige Meter über die Straße laufen brauchten. An einigen Beispielen kann diese Vorgehensweise von Journalisten vermutet werden. Eigentlich immer dann, wenn auf Grund von nationalen oder internationalen Ereignissen Stimmungen und Meinungen aus der Bevölkerung eingeholt und dann auch abgedruckt wurden, ganz im Sinne der Partei der Arbeiterklasse.

Aufregender und spannender ist die Zeit nach der Wiedervereinigung. Anfangs gekennzeichnet durch einen Kampf ums wirtschaftliche Überleben des Betriebes. Einhergehend die Umwandlung von einem volkseigenen Betrieb zu einer GmbH. Plötzliches Herabsetzen des Wertes des Unternehmens nach zwei Jahren von 3 Millionen auf 400.000,- D-Mark. Es sollte augenscheinlich unbedingt ein Käufer für die über einhundert Jahre alte Bausubstanz der Schokoladenfabrik gefunden werden. Als letztes Unternehmen der Treuhandanstalt Halle wurde das Werk an einem privaten Investor verkauft. Kurz danach die Entlassung der ostdeutschen Spezialisten. Fachleute aus dem Westen übernahmen das Ruder. Umzugspläne in den Saalkreis existierten. Schließlich der Neubau am alten Standort, mehrmaliger Wechsel der Geschäftsführer. Ausbau und ständige Steigerung der Produktionskapazität mit Millionenaufwand, jährliche Erhöhung des Umsatzes im zweistelligen Bereich. Begründete Widersprüche in der Darstellung der Unternehmenstradition. Der Gang an die Börse, Expansion durch Firmenzukauf. Erfolge der Unternehmensentwicklung, vorwiegend durch Produktionssteigerung, jedoch minimalster Gewinn. Der Aufstieg von Mister „Halloren“, Klaus Lellé, sowie sein schneller Abgang. Nach mehreren schlechten Jahresergebnissen, Turbulenzen  an der Börse und einem hausinternen Krach, wurde die komplette Führungsmannschaft ausgewechselt, die zuvor gepflegte Medienoffensive eingestellt. Berichte im Überfluss gab es nicht mehr. Die Geschichte hinter der halleschen Schokolade liest sich wie ein wahrer Wirtschaftskrimi. Dabei werden nur die erfolgten Veröffentlichungen in diesem Buch wiedergegeben.

Die Broschüre hat ca. 600 s/w und farbige Abbildungen, 20 x 21 cm, 513 Seiten. Der Band ist nicht im Buchhandel erhältlich. Nachdrucke können unter 0345 56 0 56 49 oder norbert.richter52@gmx.de bestellt werden.