Band 2

Band 2 – Verschwundene ländliche Idylle vor den Toren der Großstadt

Nachrichtenflaute im Central-Anzeiger an einem Som­mertag des Jahres 1890: „Unlängst ist in der Umgegend von Halle ein Echo dadurch wach geworden, daß ein breit ins Feld reichendes Fa­brikgebäude errichtet worden ist. Schlägt man die Silben laut, scharf und kurz an, ist es im Stande, fünf Silben klar und deutlich zu wie­derholen. Rufe wie „Ich will Obst essen´, werden prompt bestätigt. Es ist das letzte Echo Richtung Büschdorf.“

Die einfühlsame Schilderung des akustischen Vorstadt-Phäno­mens ist nur eine von vielen klei­nen Kostbarkeiten, die der hallesche Feuerwehrmann und Hobby-Historiker Norbert Richter im nun schon zweiten Teil seiner Büschdorfer Chronik zusammengetra­gen hat. Sie behandelt die Ent­wicklung des Ortes vom Bauern­dorf zur Industrievorstadt und do­kumentiert die Berichterstattung hallescher Zeitungen über Büsch­dorf von 1805 bis zum Jahre 1932.

Das reichhaltige Material hat der Au­tor mit Recherchen in diversen Ar­chiven, mit privaten Aufzeich­nungen und Bildmaterial angerei­chert. „Verschwundene ländliche Idylle vor den Toren der Groß­stadt“, so der Titel des Buches, ist nach Richters erstem, allgemeinen Teil der Büschdorfer Chronik dies­mal mehr eine beispielhafte Ab­handlung über das allmähliche Verschwinden des dörflichen Cha­rakters einer Siedlung.

Selbst manche Katastrophe, Blut­tat oder sittliche Verfehlung be­kommt im Lichte der zeitgenössi­schen Berichterstattung kuriose Züge. Da wimmelt es nur so von kuriosen Verkehrsunfällen, Spitz­buben und Unholden, Diebereien. Als „verkannte Schwerarbeiter“ werden hier etwa zwei Einbrecher geschildert, die vor Gericht glaub­haft machen konnten, es mit ihrem „dürftigen Handwerkszeug“ gar nicht auf den Geldschrank der von ihnen heimgesuchten Firma abge­sehen zu haben. Die Täter er­schienen damals übrigens mit vol­lem Namen, Beruf und Anschrift in der Zeitung. Norbert Richter konnte sich im Falle von einem der verkannten Schwerarbeiter die Anmerkung nicht verkneifen, daß es sich bei seiner Adresse um das heutige Eros-Center in der De­litzscher Straße handelt. Auch an­sonsten setzte der launige Autor auf Offenheit. Selbst die Tatsache, daß sich sein eigener Großvater im jugendlichen Übermut mit dem Büschdorfer Polizisten herumge­prügelt hat, läßt der unbestechli­che Chronist nicht unerwähnt. Be­antwortet wird auch die Frage, warum die im 20-Minuten-Takt geplante Straßenbahn von Halle über Reideburg nach Leipzig heute nicht fährt oder warum eine zweite Wache für Halles Berufsfeuerwehr gebaut wurde.

26 Seiten mit Werbeanzeigen einheimischer Unternehmen des Jahres 1996. ca. 800 Anzeigen und Zeitungsartikeln hallescher Tageszeitungen. 115 s/w-Abbildungen, 20 x 21 cm, ca. 130 Seiten, Broschur. Preis: 10,00 €.

Das Buch ist nicht im Buchhandel erhältlich. Nachbestellungen beim Verfasser unter 0345 56 0 56 49 oder norbert.richter52@gmx.de sind möglich.