Geschichte

Die erste Siedlung auf dem Grund des heutigen Büschdorf entstand im 7. Jahrhundert. Das ganze Land war noch dicht bewaldet. In der sumpfigen Niederung der Reide, die in jedem Frühjahr weite Teile des Waldes unter Wasser setzte, zogen sich einige Familien der Westslawen zurück, die damals die Halleschen Solequellen besetzt hatten und ausbeuteten. Sie legten ein kleines Wehrdorf an, das in seiner ursprünglichen Form auch heute noch zu erkennen ist. Um den Dorfplatz herum waren die Höfe errichtet. Als die Slawen von den fränkischen Kaisern weiter nach Osten getrieben wurden, siedelten sich dort deutschstämmige Bauern an. Aber zu großangelegten Rodungen und Entwässerungen kam es erst ab 1155, als eine Gruppe niederländischer Siedler sich dort niederließ. Aus einem im versumpften im dichten Wald liegenden Dörfchen ohne nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung wurde nun ein richtiges Bauerndorf. Die St. Nikolai-Kirche wurde damals ebenfalls errichtet und die tatkräftigen Bauern, die jeden Meter Ackerboden dem Wald in Schwerstarbeit abgerungen hatten, produzierten bald mehr Getreide und vor allem Gemüse, als sie selbst verbrauchen konnten. Die Überschüsse wurden auf dem nahen Markt der Stadt Halle verkauft. Seit 1473 durfte alle grüne Ware zollfrei nach Halle eingeführt werden. Die Siedlung an der Handelsstraße in das kursächsische Gebiet wurde zum „Küchendorf“ der Stadt. Büschdorf gehörte zum Amt Giebichenstein im Saalkreis des Erzstifts Magdeburg. 1680 kam es zum Herzogtum Magdeburg unter brandenburg-preußischer Herrschaft. Während der französischen Besetzung (1807 bis 1813) gehörte Büschdorf zum napoleonischenKönigreich Westphalen. Der Ort war Chef-lieu des Landkantons Halle im Distrikt Halle (Departement der Saale). Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Büschdorf im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet. Über ein Jahrtausend hinweg bestand Büschdorf aus allerhöchstens 20 Häusern. Als jedoch aus Halle eine Industriestadt wurde, die aus den Nähten zu platzen begann, immer neue Betriebe aus der Stadt hinauswanderten, wuchs auch Büschdorf mit. Die Einwohnerzahl stieg von 135 im Jahre 1825 auf 1019 im Jahre 1910 an. 1868 wurde auf Büschdorfer Land die erste Fabrik errichtet, die Dachpappenfabrik Büsscher & Hoffmann an der Äußeren Delitzscher Straße. Weiterhin entstanden die Kakao- und Schokoladenfabrik (heute die Halloren Schokoladenfabrik), vier Eisengießereien, die Bassinbauanstalten, drei Blechwarenfabriken und eine Brückenbaufirma. Am 9. Mai 1914 wurde die für 300.000 Mark errichtete Straßenbahnlinie C eingeweiht, die Halle mit Büschdorf verband. Am 1. Juli 1950 wurden Büschdorf und Reideburg in die Stadt Halle/Saale eingemeindet.