Dann planen wir mal los…

Jeder, der schon einmal umgezogen ist, kennt das Chaos welches sich auftut, die Pandemie packt dann noch ihren ganz eigenen Charme oben drauf.
Wir hatten das Haus und dank moderner Technik und einem wirklich sehr hilfsbereitem Vermieter, standen uns dort keine weiteren Probleme im Weg.

Aber wie zieht man am besten um? Unsere Möbel werden ja erst verpackt und mit einem Container verschickt, wo sollen wir hin, wenn wir in Quarantäne müssen? Zur Familie? Unmöglich, die bringen sich damit nur unnötig in Gefahr. In ein Hotel? Möglich, aber wer schon einmal zwei Wochen mit 4 Personen in einem Raum gesessen hat, kann sich da echt besseres vorstellen. Wir stellten uns also auf eine 2 wöchige Quarantäne in unserem neuen Haus ein und mobilisierten dafür alle verfügbaren Kräfte.
Eine Küche musste her, wusstet ihr, dass Küchen und Lampen zur Grundausstattung in amerikanischen Häusern gehören? Zum Glück gibt es Micheel und sein überaus kompetentes Team in Halle. Wir bekamen die Möglichkeit in einem Telefonat und per Email unsere Vorstellungen zu übermitteln. Es folgte eine Begehung im Haus (auch hier wieder ein großes Danke, an unseren Freund, der völlig selbstverständlich diesen Termin wahrnahm), um die Maße aufzunehmen. Die Küche an sich planten wir dann per FaceTime.
Jetzt hieß es vertrauen und hoffen. Keine Chance etwas im Laden zu sehen oder anzufassen. Herr Micheel hat sich wirklich Mühe gegeben, und Muster durch sein Küchenstudio getragen, damit ich sie in verschiedenen Beleuchtungen sehen konnte.

Das nächste Problem war es, eine geeignete Schule zu finden. Wir hatten in Houston zwischenzeitlich die Schulen gewechselt und die Kinder besuchten zuletzt eine britische internationale Schule. Sie erhielten dort auch Deutschunterricht. Während des lockdown hat diese Schule ganze Arbeit geleistet und trotzdem täglichen Unterricht angeboten. Es gab Projekte und Noten, alles lief online ab.
Da es in Deutschland die Schulpflicht gibt und online keine Option ist, da einfach nicht wirklich ausgebaut, machten wir uns auf die Suche. Wir schrieben die Schulen direkt an und haben, bis auf zwei, keine Antworten bekommen. Eine private Schule in Halle lehnte uns schon ab, bevor wir uns beworben hatten und verwies uns darauf doch „in unserem Einzugsgebiet etwas zu finden“.
Also wendeten wir uns an das örtliche Schulamt, mit eher ernüchternden Ergebnissen. Es gäbe für das ältere Kind Plätze auf mehreren Schulen, aber nicht für das jüngere Kind. Nach schlaflosen Nächten und einer Menge Frustration, kam uns ein Schulleiter zur Hilfe und bot beiden Kindern einen Platz auf seiner Schule an. Ein weiterer Meilenstein geschafft.

Haus: ✔️
Küche: ✔️
Schule: ✔️

Nun hieß es, eine Quarantäne ohne Möbel zu planen. Wir suchten eine Waschmaschine und einen Trockner online, kauften Fernseher und ich meldete uns bei der Telekom an, damit der Anschluss vor unserem Eintreffen steht und niemand ins Haus muss. Meine Familie bot an, sich um den Großteil der Besorgungen zu kümmern. Die Armen haben jetzt schon den halben Keller voller Dinge, die wir brauchen. Ein Freund wird uns Matratzen bringen und mit Nahrungsmitteln versorgen.

Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch immer keinen Flug buchen können. Es fanden keine Direktflüge statt und andere Reisende mussten bis zu 4 verschiedene Flüge nehmen, bis sie in Frankfurt ankamen.
Anfang Juli war die Lufthansa dann mit drei Direktflügen die Woche wieder zurück in Houston. So konnten wir endlich unseren Umzug weiter in Angriff nehmen und der Umzugsfirma einen Termin geben, mit der Hoffnung einen Platz in deren Plan zu bekommen. Normalerweise dauert es drei Tage, bis ein Haus geleert und der Container gepackt ist. Man bleibt dabei im Haus und geht für eine Nacht zu Freunden oder ins Hotel. Nun wollen wir uns so wenig wie möglich mit anderen Menschen umgehen und nicht im Haus bleiben, mit Hund und 6 Fremden. In einer Pandemie schon gar nicht. Hotel kam uns zu unsicher vor, nachdem Berichte laut wurden, in dem sich Erkrankte in Hotels begeben haben, statt in ein Krankenhaus.
Wir haben nun ein Ferienhaus gebucht und werden dort bis zur Abreise bleiben. Keine anderen Menschen und ein paar letzte ruhige Tage, die wir mit unserem Hund verbringen können, bevor sie abgeholt wird.

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